Der Pont du Gard ist eines der eindrucksvollsten Bauwerke der Antike: ein römisches Aquädukt, das sich in drei Bogenreihen fast 49 Meter hoch über den Fluss Gardon spannt. Weniger beachtet, aber genauso alt in ihrer Art, sind seine stillen Nachbarn – Olivenbäume, die zu Füßen der Steinbögen wachsen. Zwei von ihnen erzählen eine besondere Geschichte.
Der Pont du Gard – römische Ingenieurskunst
Im 1. Jahrhundert nach Christus errichtet, war der Pont du Gard nur ein Glied einer rund 50 Kilometer langen Wasserleitung, die frisches Quellwasser bis in die römische Stadt Nîmes (Nemausus) führte. Drei übereinandergestapelte Bogenreihen, ohne Mörtel gefügt, tragen ganz oben den eigentlichen Wasserkanal. Seit 1985 gehört das Bauwerk zum UNESCO-Welterbe und ist heute eines der meistbesuchten Denkmäler Frankreichs.
Rund um das Monument erstreckt sich typische mediterrane Garrigue – karge Kalkböden mit Steineichen, Buchs, wildem Thymian und eben Olivenbäumen. Auf dem Erlebnispfad Mémoires de Garrigue lässt sich diese Kulturlandschaft erwandern.
Drei tausendjährige Olivenbäume
Am Fuß des Aquädukts stehen drei olivier millénaire – drei tausendjährige Olivenbäume. Ihre Stämme sind über die Jahrhunderte zu knorrigen, gewundenen Wesen aus Holz geworden, die eher gewachsen als gepflanzt wirken. Nach Angaben vor Ort reicht ihr Ursprung bis ins Jahr 908 zurück; bis in die 1980er-Jahre standen sie in einem kargen, kalten Tal in Spanien.
Die drei olivier millénaire am Pont du Gard – ihre gewundenen Stämme und das weit ausladende Wurzelwerk zeugen von über tausend Jahren Wachstum.
Im Jahr 1988 wurden sie an den Pont du Gard verpflanzt – als erster Schritt der Aufwertung des Geländes. Dass über tausend Jahre alte Bäume eine Verpflanzung überstehen, ist typisch für den Ölbaum: Er ist praktisch unverwüstlich.
Neben Steinen, die zwei Jahrtausende überdauert haben, stehen Bäume, die es ihnen gleichtun wollen.
Wie alt werden Olivenbäume?
Olivenbäume gehören zu den langlebigsten Kulturpflanzen überhaupt. Bäume von mehreren Hundert Jahren sind im Mittelmeerraum normal, einzelne Exemplare gelten als über tausend Jahre alt. Weil der Ölbaum immer wieder aus dem Wurzelstock austreibt, lebt die Wurzel oft weit länger als der sichtbare Stamm – er „stirbt nach oben" und wächst von unten nach.
Der Friedensbaum
Nur wenige Schritte entfernt steht ein zweiter, jüngerer Olivenbaum – der Friedensbaum. Seit der Antike ist der Ölzweig ein Sinnbild des Friedens, und genau als solches wurde dieser Baum gepflanzt: am 8. Januar 2015, zu Ehren aller Opfer des Terrorismus weltweit, unmittelbar nach den Anschlägen in Paris. Eine dreisprachige Tafel erklärt ihn.

Arbre de la Paix
En hommage à toutes les victimes du terrorisme dans le monde. Planté le 8 janvier 2015, suite aux attentats de Paris.
EnglishA tree of Peace
In memory of all the victims of terrorism around the world. Planted january 8th, 2015 after the terrorist attacks in Paris.
DeutschFriedensbaum
In Ehre zu allen Opfern des Terrorismus in der Welt. Am 8. Januar nach den Anschlägen in Paris gepflanzt.
Warum der Ölbaum hier gedeiht
Der Ölbaum (Olea europaea) ist ein Kind des Mittelmeers: Er liebt heiße, trockene Sommer und sonnenwarme Kalkböden – genau das bietet das Klima des Gard. Strengen Dauerfrost mag er nicht; kurzfristig verträgt er etwa −10 bis −12 °C. Ältere, gut verholzte Bäume an geschützter Lage sind dabei deutlich robuster – ein Grund, warum ein Baum wie der olivier millénaire selbst kalte spanische Winter und den Umzug nach Frankreich überstanden hat.
Sind Olivenbäume winterhart?
Bedingt. Entscheidend sind nicht einzelne kalte Nächte, sondern Dauerfrost und Nässe. In milden Weinbauklimaten überstehen ältere Olivenbäume den Winter im Freien, in rauen Lagen brauchen sie Schutz oder ein Winterquartier.
Praktisches für den Besuch
Der Pont du Gard liegt bei Vers-Pont-du-Gard im Département Gard (Okzitanien), rund 25 km von Nîmes und Avignon entfernt. Die Olivenbäume – darunter der tausendjährige und der Friedensbaum – stehen frei zugänglich auf dem Gelände nahe dem Aquädukt. Für Fotos lohnt das weiche Licht am frühen Morgen oder späten Nachmittag, wenn der Kalkstein golden leuchtet und die silbrigen Olivenblätter aufblitzen.